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Fragen zum Wildcampen

Liebe NST-Community,

ich habe vor Kurzem den Rheinsteig beendet und bin unterwegs auf den NST gestoßen - ein neuer Lebenstraum!
An dieser Stelle schon mal ein großes Danke an alle, die sich für den Trail engagieren, und natürlich besonders an Soulboy für die Initiative und unermüdliche Arbeit (und die phänomenale, monumentale Doku auf Youtube).
Bis zu einem Thruhike wird bei mir sicherlich noch einiges an Zeit und Vorbereitung nötig sein. Aktuell habe ich sogar die erste Nacht im Zelt noch vor mir ... aber wer nicht anfängt, kann auch nicht ankommen! Ich plane in nächster Zeit erstmal einige Mehrtagestouren, um mich ans Wandern mit neuer Ausrüstung, Outdoor-Übernachtungen usw. zu gewöhnen. Nach dem Rheinsteig möchte ich mir dazu gerne den Saar-Hunsrück-Steig anschauen.

Zum Thema Wildcampen habe ich noch zwei Verständnisfragen:

  • Ich habe nun schon oft gelesen, dass Wildcampen in Deutschland verboten ist (mit gesundem Menschenverstand aber trotzdem möglich), in Naturschutzgebieten aber besonders streng verboten. Ich möchte die Natur, wo sie besonders empfindlich ist, natürlich nicht stören und mich gerne daran halten. Aber: Was ist mit Nationalparks, Naturparks, Biosphärenreservaten? Sind das alles verschiedene Abstufungen von "hier lieber nicht" oder wie geht ihr damit in der Praxis um? Wenn ich alle diese Kategorien auf der Landkarte anzeigen lasse, bleibt gefühlt nur wenig übrig.
  • Was ist mit der Kombination Naturschutzgebiet (oder Nationalpark, ...) plus Schutzhütte? Genauso schlimm?

Ich hoffe, ihr verzeiht einer Anfängerin diese vielleicht etwas kleinlichen Nachfragen. Mir ist auch bewusst, dass man sich sowieso bei allem in einer Art Grauzone befindet und dass ihr wahrscheinlich Empfehlungen überhaupt nur mit Vorsicht formulieren könnt.
Eine Antwort wird mir die Planung aber dennoch sehr erleichtern 🙂

(Und weiß jemand vielleicht, wie ich meine Mailadresse aus meinem Benutzernamen rauskriege oder zumindest verbergen kann ... sowas dämliches ist mir in 20 Jahren Internetnutzung noch nie passiert -.-)

Hallo Lijaira,

da sagst du was, wenn man alle Schutzkategorien zusammennimmt, bleibt nicht mehr viel übrig.
Nationalparke sind dabei das "höchste" Schutzgebiet und somit die Bereiche, in denen ich persönlich eine wilde Übernachtung möglichst vermeiden würde. Oft wird dort auch besonders wenig Spaß verstanden und viel kontrolliert.
Bei allem anderen würde ich gesunden Menschenverstand walten lassen und wenn vorhanden Erfahrungen von anderen berücksichtigen (im Naturschutzgebiet Siebengebirge z.B. rät die App Wanderfreund vom Übernachten auch in den Hütten ab).

Generell bin ich der Meinung, dass man gerade in den Hütten nichts kaputtmachen kann. (Freunde von mir wurden schon mit Pferden beim Übernachten an einer Schutzhütte "erwischt". Da sie kein offenes Feuer gemacht, keinen Müll hinterlassen und sich ordenentlich verhalten haben, hat der Jagdpächter sie mit den Worten "wenn ich morgen um 10 wieder hier vorbeikomme und ihr seid nicht mehr da, habe ich euch nie gesehen" verabschiedet. Muss nicht immer so sein, aber mit dem eigenen Verhalten kann man schon viel beeinflussen.)
Inzwischen gibt es auch einige Hütten, in denen Übernachten explizit erlaubt ist.
Wenn ich abseits einer Hütte übernachte, schaue ich mir den Untergrund an. Wachsen irgendwelche besonderen Pflanzen (die Chance dafür steigt natürlich in Schutzgebieten), ziehe ich weiter. Manchmal muss man eine Weile suchen, aber ich habe bisher immer was gefunden.

Dass man keinen Müll liegen lässt etc. ist ja selbstverständlich 😉

Und jetzt - ganz viel Spaß beim ersten Test!
Schildkröte (NST-Section-Hikerin)

Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort, liebe Schildkröte!

Deine Erfahrungen und Tipps helfen mir schon mal sehr weiter. Die Info zur Kategorie Nationalpark ist besonders wichtig für mich, weil der Saar-Hunsrück-Steig u.u. durch den Nationalpark Hunsrück-Hochwald verläuft. Da kann ich dann ja entsprechend planen. Die App Wanderfreund werde ich mir auch mal anschauen 🙂

Dir und allen Mitlesern einen schönen Sommer mit hoffentlich tollen Touren - auf dem NST und anderswo!

 

Hallo Lijaira,

in Nationalparks vermeide ich es auch zu übernachten, da kommen auch Schutzhütten für mich nicht in Frage. Klar, falls man in ein Unwetter gerät und sich in eine Hütte flüchtet, das Unwetter die ganze Nacht dauert, dann ist das was ganz anderes. Wenn man in Schutzhütten übernachtet, dann macht man in der Natur ja nichts kaputt. Man baut sein Lager am besten erst auf wenn es dunkel geworden ist und steht bei den ersten Sonnenstrahlen wieder auf und hat dann alles wieder schnell verpackt. Man nimmt allen Müll wieder mit. Was mich sehr stört sind die ganzen Papiertücher, die oft hinter Hütten im Gebüsch liegen. Ich selber nehme immer Hundekackbeutel mit, da packe ich dann immer meine Tücher rein und entsorge sie dann wenn ich einen Mülleimer finde. Für den Rest habe ich meine Schaufel, damit mache ich ein großes Loch :-). Auf vielen Wegen wird das Übernachten in Hütten geduldet, wenn man sich unauffällig verhält, so z.B. auf dem Rothaarsteig. Auf dem Westweg z.B. gibt es viele Hütten mit Schlafböden und auch Wanderheime. Dann gibt es auch immer mehr Trekking Camps in Deutschland, die man allerdings eine Übernachtung vorher buchen muss. In manchen Regionen, z.B. im Siebengebierge würde ich noch nicht einmal in Hütten übernachten, die sind da wohl sehr streng. Da muss man sich dann einen Campingplatz suchen oder eine Unterkunft. Eine Dusche ist ab und zu ja auch ganz nett :-). Man findet auch bei 1NITE TENT - Ein Stück Jedermannsrecht, wie Couchsurfen für Zelte vielleicht was passendes. Oder man schaut ob es in der Region eine Initiative wie Wildes Holstein gibt, - Trekkingplätze in Schleswig-Holstein | Stiftung Naturschutz, Dann gibt es natürlich und besonders auf dem NST noch die ganzen lieben Trail Angels, bei denen man als Thru Hikerin auch mal übernachten kann. Oft kommt man auch an einem Campingplatz vorbei.

Danke auch dir für die Tipps, lieber Oliver! 1NITE TENT finde ich von der Idee her ziemlich cool, werde ich mal testen.

Meine Antwort hat sich durch den Sommerurlaub und die erste kleine Tour mit Zelt auf dem Saar-Hunsrück-Steig etwas verzögert. Inzwischen bin ich wieder zurück und um die ersten wertvollen Erfahrungen reicher. Ich kann nur jedem empfehlen, vor einem größeren Thruhike mindestens eine solche "Test-Tour" zu machen, weil man alle möglichen Erkenntnisse hat u.a. zur Ausrüstung (was funktioniert, was braucht man zusätzlich, was bleibt beim nächsten Mal zu Hause) und zu sich selbst im ungewohnten Setting (welche Routinen abends und morgens sind für mich am besten, wie früh fange ich an mit der Zeltplatzsuche, wie gut schlafe ich im Zelt ...). Und man kann einfach den Zeltaufbau, Organisation des Rucksacks usw. im "Ernstfall" üben.

Die Gewinner meiner Tour waren zum Beispiel die Ohrstöpsel. Ich glaube, ohne hätte ich kein Auge zugemacht. 😎 Und der mehrfach durchbohrte PET-Flaschendeckel als "Duschkopf/Wasserhahn", inspiriert durch Soulboy, war ebenfalls ein Hit.
Für die nächste Fernwanderung brauche ich unbedingt ein anständiges Kissen - und so weiter.

Bisher habe ich ausschließlich im Wald geschlafen und hatte mir, da der Handyakku altersschwach ist, Karten inkl. Satellitenbilder und Übersicht über Schutzgebiete ausgedruckt. So konnte ich mich prima orientieren, wo es vielversprechend ist und welche Stellen ich lieber meide. Wie von Schildkroete nahegelegt, habe ich ausgewiesene Naturschutzgebiete und (gab es noch nicht, kommt noch) Nationalparke gemieden und mich vom Etikett Naturpark (ist quasi die ganze Region ab Perl) nicht aufhalten lassen. Dass man die Natur dennoch pfleglich und respektvoll behandelt, versteht sich von selbst.
Aufbau ab 20 Uhr (Ende Juli) war vielleicht etwas früh, aber weil mir noch die Routine mit meiner Ausrüstung fehlt, habe ich die Zeit gebraucht. Der Abbau ab 4:50 Uhr dafür vielleicht etwas übertrieben, aber jetzt am Anfang habe ich mir doch noch einigen Stress gemacht, jemandem zu begegnen.
Schutzhütte allein (als Frau) habe ich mich noch nicht getraut, da fühle ich mich viel exponierter. Wird aber sicherlich auch bald mal getestet.

Übrigens war es gut, dass ich schon irgendwo davon gelesen hatte, dass Rehe bellende-brüllende Geräusche machen können. Sowas habe ich noch nie vorher gehört und es hätte mich ansonsten vermutlich gegruselt. 😆