Fernwandertage Wiesbaden 2026: Ein Wochenende wie ein Klassentreffen der Fernwander-Szene
Drei Tage voller Trail-Gespräche, spannender Vorträge, neuer Ausrüstung und einem ganz besonderen Filmabend. Vom 4. bis 6. September 2026 fanden die Fernwandertage in Wiesbaden statt. Für uns von der Initiative Nord Süd Trail war es ein Wochenende, das uns mit vielen positiven Eindrücken und jeder Menge Vorfreude auf die Zukunft nach Hause fahren ließ.
Wiedersehen, neue Gesichter und jede Menge Trail-Gespräche
Robin, Frank „Freestyla“ und ich, Soulboy, waren aus einem besonderen Grund angereist: Wir wollten unseren neuen Film „Ein Stück entlang des Weges – 320 Kilometer gegen den Strom“ zum ersten Mal öffentlich zeigen.
Schon bei unserer Ankunft auf dem tollen Gelände von Schloss Freudenberg war klar, dass uns ein abwechslungsreiches Wochenende erwartete. Überall traf man auf bekannte Gesichter aus der Fernwander- und Ultraleicht-Szene. Es wurde begrüßt, geplaudert, gefachsimpelt und natürlich über vergangene und zukünftige Abenteuer gesprochen.
Während Robin stilecht zu Fuß angereist war und auf der gemeinsamen Zeltwiese übernachtete, entschieden sich Freestyla und ich für die etwas komfortablere Variante und bezogen ein Hotel im nahe gelegenen Schlangenbad. Jeder eben, wie er mag.
Fotos: frankk_photoart
Besonders gefreut haben wir uns über das Wiedersehen mit Björn und Annika, den Machern von Läppie. Die beiden sind selbst den Pacific Crest Trail (PCT) gewandert und haben ihre Erfahrungen auch in einem gemeinsamen Buch verarbeitet. Wer schon einmal länger auf einem Trail unterwegs war, weiß, wie schnell man mit anderen Fernwanderern ins Gespräch kommt. Und wie lange solche Gespräche dann dauern können.
Auch Mareike vom Podcast Wanderwach & Kaffee war vor Ort. Dazu kamen viele weitere bekannte Gesichter und zahlreiche neue Begegnungen. Genau das macht solche Veranstaltungen aus: Man trifft Menschen, die dieselbe Begeisterung für das Weitwandern teilen, tauscht Erfahrungen aus und nimmt immer wieder neue Ideen mit.
Vorträge, Workshops und ein Lagerfeuer
Das Programm bot eine bunte Mischung aus Workshops, Vorträgen und einer Ausstellung verschiedener Outdoor-Hersteller. Die Veranstaltungen waren gut besucht und es gab reichlich Gelegenheit, sich mit den unterschiedlichsten Themen rund ums Fernwandern auseinanderzusetzen.
Auch ich nutzte die Gelegenheit, mir einige Vorträge anzuhören. Besonders spannend war für mich unter anderem ein Vortrag über den Appalachian Trail. Es ist immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich Menschen ihre Fernwanderungen erleben und welche Geschichten sie von unterwegs mitbringen.
Der erste Abend klang in entspannter Atmosphäre am Lagerfeuer aus. Genau solche Momente machen für mich den besonderen Reiz einer Veranstaltung wie dieser aus. Man sitzt zusammen, erzählt von Erlebnissen auf dem Trail, schmiedet neue Pläne und merkt schnell, dass man unter Gleichgesinnten ist.
Neue Ausrüstung und ein Gespräch mit Jack Wolfskin
Am Samstag zog es uns natürlich auch in die Ausstellungzelte der verschiedenen Hersteller. Für uns als Initiative Nord Süd Trail war dabei ein Besuch am Stand von Jack Wolfskin besonders wichtig.
Hintergrund war der neu entwickelte Wolftrail, mit dem das Unternehmen seine neue Ultraleicht-Ausrüstung bekannter machen möchte. In der ursprünglichen Planung verlief dieser Weg über weite Strecken parallel zum Nord-Süd-Trail oder nutzte dieselben Streckenabschnitte. Für uns stellte sich deshalb die Frage, welchen Mehrwert zwei Fernwanderwege bieten, die sich über längere Distanzen kaum voneinander unterscheiden.
Die ursprüngliche Route verlief innerhalb Deutschlands über weite Strecken nahezu identisch mit dem Nord Süd Trail. Mit der neuen Streckenführung verlagert sich der Wolftrail deutlich weiter nach Osteuropa. Vermutlich soll damit vor allem für internationale Thru-Hiker mehr Wildnis und ein anderes Wandererlebnis geschaffen werden. Die Überschneidungen mit dem NST reduzieren sich dadurch erheblich und beschränken sich nach aktuellem Stand weitgehend auf den Westweg.
Wir haben das Gespräch gesucht und unsere Bedenken deutlich gemacht. Erfreulicherweise wird der Wolftrail inzwischen auf eigenen Wunsch umfassend neu gestaltet. Nach aktuellem Stand sollen sich die beiden Wege künftig deutlich weniger überschneiden. Das begrüßen wir ausdrücklich.
Allerdings hätten wir uns gewünscht, dass die Verantwortlichen wie ursprünglich angekündigt anschließend noch einmal direkt auf uns zukommen. Bislang ist das leider nicht geschehen. Schade, denn gerade bei solchen Projekten wäre ein offener Austausch zwischen den Beteiligten aus unserer Sicht sinnvoll.
Über die neue Ausrüstung von Jack Wolfskin können wir dagegen durchaus Positives berichten. Unser Eindruck vor Ort: Das Unternehmen meint es ernst mit dem Thema Ultraleicht. Die gezeigten Produkte haben uns überzeugt. Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass sich die neue Linie in der Ultraleicht-Szene durchsetzen wird.
Dort gibt es bereits etablierte Marken, erfahrene Hersteller und eine anspruchsvolle Kundschaft. Hinzu kommt, dass inzwischen auch große Anbieter wie Decathlon preiswerte Ausrüstung für gewichtsbewusste Wanderer anbieten. Ob Jack Wolfskin mit seiner neuen Linie genügend Wanderer überzeugen kann, wird sich zeigen.
Der Wolftrail und seine neue Streckenführung verdienen übrigens einen eigenen Beitrag. Dazu werden wir zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher berichten.
Unser Film feiert Premiere
Der Höhepunkt unseres Wochenendes war für uns natürlich die Vorführung unseres Films „Ein Stück entlang des Weges – 320 Kilometer gegen den Strom“.
Zu unserer Überraschung bekamen wir am Samstagabend einen der besten Vorführtermine. Bevor der Film startete, stellten wir uns und unser Projekt kurz vor. Dann ging es los.
Wir waren gespannt, wie der Film beim Publikum ankommen würde. Schließlich steckt viel Arbeit in einem solchen Projekt, und bei einer Premiere weiß man nie genau, wie die Zuschauer reagieren.
Unsere Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Der Film kam ausgesprochen gut an und wurde mit reichlich Applaus belohnt. Das war für uns natürlich ein besonderer Moment und eine schöne Bestätigung unserer Arbeit.<br /> Premiere am 29.11.2026 auf Youtube.
Im Anschluss gab es eine Fragerunde, bei der die Besucher ihre Fragen loswerden konnten. Auch danach blieb noch genügend Zeit für persönliche Gespräche. Es war schön zu erleben, wie interessiert die Leute an unserem Film und am Nord Süd Trail waren.
Dabei wurde uns einmal mehr bewusst, welchen Stellenwert der NST mittlerweile in der deutschsprachigen Fernwander-Community erreicht hat. Menschen kannten den Weg, hatten eigene Geschichten dazu zu erzählen oder beschäftigten sich bereits mit der Idee, ihn selbst zu wandern. Das freut uns als ehrenamtliche Initiative ganz besonders.
Ein großes Dankeschön an die Organisatoren
Unser besonderer Dank gilt Niels und Cedric sowie allen weiteren Helfern, die die Fernwandertage auf die Beine gestellt haben. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung zu organisieren, kostet unglaublich viel Zeit, Energie und Engagement.
Gerade wir von der Initiative Nord Süd Trail wissen, wie viel Arbeit hinter solchen Projekten steckt. Vieles davon sieht man als Besucher gar nicht. Umso mehr Respekt haben wir vor allen, die ihre Freizeit investieren, damit andere ein solches Wochenende erleben können.
Ob es die Fernwandertage in dieser Größenordnung noch einmal geben wird, ist allerdings offen. Für die Händler und Hersteller muss sich die Teilnahme schließlich auch wirtschaftlich rechnen. Nach unserem Eindruck hätte es dafür noch mehr Besucher gebraucht. Das wäre ausgesprochen schade, denn das Konzept und die Atmosphäre haben uns überzeugt.
Wir hoffen deshalb sehr, dass sich eine Möglichkeit findet, die Fernwandertage fortzuführen, vielleicht in einer angepassten Form, die für Organisatoren, Aussteller und Besucher gleichermaßen funktioniert.
Fotos: frankk_photoart
Unser Fazit: Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Hause
Drei Tage voller Begegnungen, interessanter Vorträge, neuer Ausrüstung und Gespräche über die schönsten und manchmal auch schwierigsten Seiten des Fernwanderns liegen hinter uns.
Für uns als Initiative Nord Süd Trail war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Besonders die positive Resonanz auf unseren Film und das große Interesse am NST haben uns gezeigt, dass wir mit unserer Arbeit viele Menschen erreichen.
Wir nehmen viele schöne Erinnerungen, neue Kontakte und frische Motivation mit nach Hause. Und wer weiß, vielleicht sehen wir uns bei den nächsten Fernwandertagen wieder.
Bis dahin gilt: Wir sehen uns auf dem Trail!
Eure Initiative Nord Süd Trail 🥾💚
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