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NST-Markierungen demnächst auch im Pfälzerwald

Auf dem Nord Süd Trail 

Im September 2023 laufen Gunther und ich gemeinsam den Schwarzwald Westweg. Wir stoßen irgendwann im Wald auf einen grün-weißen Aufkleber an einem Pfosten. Komisch, sage ich zu Gunther, wofür ist der denn gut? Am Abend klärt uns ein Mitwanderer auf: „Das ist ein Aufkleber vom Nord Süd Trail, der geht einmal durch ganz Deutschland. Und wenn ich irgendwann in Rente gehe, laufe ich den auch mal.“ Interessant, denke ich. Nach dem Westweg wieder zu Hause recherchiere ich und finde einiges über den NST. Und denke so: „Den möchte ich auch mal laufen.“ Aber wann? Ende 2024 zeichnet sich ab, dass ich nach über 30 Jahren meinen Job in der Softwarebranche an den Nagel hänge und erst mal eine größere Pause mache. Und dann kommt die Idee mit dem NST wieder auf. Warum nicht gleich anpacken und 2025 loslaufen? Ich bin einfach neugierig und möchte herausfinden, ob ich einen so langen Weg überhaupt bewältigen kann. Und ich muss jetzt ja nicht auf die Rente warten. Also wird die nötige Ausrüstung gekauft, alle im Weg liegenden Termine freigeräumt und alle Menschen, die mir wichtig sind, informiert. Neben Skepsis und Verwunderung gibt es auch viel Zuspruch und so geht es am 2.5.2026 als Laserjupp – zunächst gemeinsam mit JRonTour – am Sylter Ellenbogen los. Tatsächlich schaffe ich den NST Thruhike – wenn auch mit gesundheitlich bedingten Unterbrechungen – und komme nach 142 Tagen am Haldenwanger Eck an. 

Der Ellenbogen bei List auf Sylt markiert den nördlichsten Punkt Deutschlands. Zwischen freilaufenden Schafen, Dünen, Meer und endlosen Stränden beginnt hier das Abenteuer Nord Süd Trail. Genau an diesem besonderen Ort befindet sich der offizielle Trailhead des längsten Fernwanderwegs Deutschlands.

Per Zufall im Basecamp

Im August 2025 bin ich im Pfälzer Wald angekommen. Ich sitze in Kirchheimbolanden (KiBo, wie die Einheimischen sagen) in einem Café und genieße Kaffee und Kuchen. Über den Donnersberg bin ich schon rüber, aber der gesamte Pfälzer Weinsteig liegt noch vor mir. Eine grobe Etappenplanung hatte ich schon gemacht, aber dann ruft mich mein Freund Heri an und erwähnt, dass es am Hohe-Loog-Haus (oberhalb von Hambach) auch eine Hütte zum Übernachten gibt und er gerne seinen Freund Peter fragen kann, wenn das zu meiner Planung passt. Peter ist im Vorstand der Ortsgruppe Hambach des Pfälzerwald-Vereins (PWV). Wenn ich etwas längere Etappen laufe, sollte das mit der Hohe Loog klappen und so schicke ich Heri los, damit er Peter darauf anspricht. Peter sagt mir zu und motiviert mich gleichzeitig, der Hambacher Ortsgruppe beizutreten. Das mache ich gerne und habe später eine sehr angenehme Nacht im „Basecamp“. Das ist eigentlich für Gruppen an Wochenenden vorgesehen, aber wenn schon mal ein NST-Thruhiker kommt, der auch noch dem Verein beitritt, dann darf der auch in der Nacht auf Montag dort absteigen. Auf den kommenden Etappen bin ich schon am Sinnieren darüber, wie ich den PWV von innen heraus (ich bin ja jetzt Mitglied) davon überzeuge, dass auf dem Weinsteig auch der NST ausgeschildert werden kann.

Gastfreundschaft wird beim Pfälzerwald-Verein großgeschrieben. Claus „Laserjupp“ besucht während seines NST-Thru-Hikes das Hohe-Loog-Haus der Ortsgruppe Hambach.

Auch Soulboy, Der Öligen und Barba Larga durften auf ihrem Section-Hike 2021 die herzliche Gastfreundschaft des PWV erleben. Das dritte Bild zeigt sie am Vereinshaus der Ortsgruppe Lauterecken.

Mitglied im Pfälzerwald-Verein

Später im Jahr interviewt mich dann noch Wolfgang vom Verein über meinen Thruhike und so erscheint in der Januar-Ausgabe des Newsletters ein Bericht (s. Seite 36). Im März 2026 findet dann ein Treffen aller neuen Mitglieder der PWV Ortsgruppe Hambach statt. Ich fahre zum Treffen nach Neustadt und bin erst einmal überrascht – der Verein hat in einem einzigen Jahr so viele neue Mitglieder wie viele andere Verein insgesamt. Ich treffe auch Wolfgang, der mich interviewt hat und spreche dann mit Stefan, dem Wegewart. Er unterstützt mein Anliegen mit der parallelen Markierung des NST auf dem Pfälzer Weinsteig, macht mir allerdings nicht viel Hoffnung. Der PWV kümmert sich zwar um die Markierung, für die Markierungserlaubnis ist aber die Bezirksregierung verantwortlich. Hmm, wer oder was ist denn die Bezirksregierung? Später schreibe ich Stefan nochmal per eMail an, bekomme aber keine Antwort. Wolfgang hilft mir und schreibt ihn auf seiner privaten eMail an – da reagiert Stefan, aber er ist gerade am Packen für den Urlaub und hat leider keine Zeit mehr.

Schrittweise Recherche

Ich mache mich an die Recherche. Der PWV besteht ja aus einer ganzen Reihe Ortsgruppen (über 200!), wobei Hambach mit über 1.300 Mitgliedern die größte ist. Zusätzlich gibt es den PWV-Hauptverein mit einem eigenen Vorstand – und dort mit Gerhard auch einem Hauptwegewart. Also schreibe ich Gerhard eine eMail mit meinem Anliegen. Ganz freundlich formuliere ich den Wunsch mit der parallelen Ausschilderung, verlinke Infos von der NST-Homepage, meinen Bericht im PWV Hambach-Newsletter und die positive Einstellung von Stefan aus der Ortsgruppe. Gerhard antwortet bald und hat – ähnlich wie Stefan – nichts dagegen. Vorausgesetzt, der NST bildet keinen neuen Weg durch den Pfälzerwald, denn das Wegesystem wird zurzeit überarbeitet und deutlich entschlackt. Der Wunsch liegt bei lieber wenigen, aber dafür gut gepflegten Wegen. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass der PWV bezüglich NST weder personell noch finanziell unterstützen kann. Und er erläutert nochmals, dass ich für eine Markierungsbefugnis auf den Bezirksverband Pfalz und ggf. sogar auf das Ministerium in Mainz zugehen muss. Na gut, dann mache ich das. Aber wen genau muss ich jetzt kontaktieren? Nach etwas Recherche bekomme ich heraus, dass die Pfalz Touristik (der Träger hinter www.pfalz.de) die Stelle ist, die hinter den Prädikatswegen (u.a. Pfälzer Weinsteig und Pfälzer Höhenwege) steht bzw. diese bewirbt. Und es gibt mit Anne eine eigene Projektmanagerin Wandern. Also rufe ich Anne an. Anne freut sich über meine Anfrage und findet persönlich den NST klasse. In ihrer Funktion kann sie das aber alleine nicht entscheiden. Ich schlage ihr vor, dass ich ihr eine eMail mit meinem Anliegen (und der eher positiven Sicht des PWV darauf) schicke, damit sie das als Basis für eine Besprechung mit ihrem Team nehmen kann. Dazu formuliere ich noch meine Sicht auf das win-win, d.h., dass beide Wege von der Sichtbarkeit des jeweils anderen profitieren können. Zwei Wochen später – ich wollte schon fast telefonisch nachfragen – bekomme ich ihre Antwort. Sie formuliert vorsichtig positiv, dass sie eigentlich das bestehende Markierungskonzept für ausreichend halten, aber auch nichts gegen eine Parallelmarkierung haben, sofern diese tatsächlich auf den vorhandenen Wegen verläuft und behutsam durchgeführt wird. Und ich bekomme endlich einen Tipp, wie ich an die Bezirksregierung komme – sie nennt die dafür zuständige Behörde: die Struktur- und Genehmigungsdirektion.

Blick auf die Burg Trifels. Der Pfälzer Weinsteig zählt mit seinen imposanten Burgen, romantischen Burgruinen, malerischen Weindörfern und den weiten Ausblicken zu den absoluten Höhepunkten des Nord Süd Trails.

Der Weg zur Behörde.

Okay, also die Struktur- und Genehmigungsdirektion, kurz SGD. Was machen die eigentlich so? Na ja, Hauptsache, sie genehmigen die Markierung des NST! Ich schaue im Web nach und finde zwei, eine „Nord“ und eine „Süd“. Ich vermute mal, es ist Süd und recherchiere auf deren Homepage nach Zuständigkeiten. Schnell gebe ich auf, das sind viele zu viele Abteilungen und Hierarchien. Also rufe ich einfach mal die zentrale Rufnummer an. Die Frau am Telefon hört mir zu, kann mir aber nicht weiterhelfen. Sie bittet mich, eine eMail an die zentrale Poststelle zu schicken. Alles klar, mache ich. Ich hoffe, dass sie nicht im Keller der Direktion versackt. Einen Tag später bekomme ich prompt Antwort. Matthias hat sich des Themas angenommen und antwortet per Du. Witzigerweise kennen wir uns aus einem anderen Verein und waren schon mal gemeinsam auf dem Rennrad unterwegs. Solche Zufälle braucht man! Matthias hat allerdings einen anderen Aufgabenbereich im Referat für Naturschutz und verweist mich an seinen Kollegen Jannis. Ein paar Tage später rufe ich Jannis einfach mal an. Er klingt jung, interessiert und ist dem Thema gegenüber aufgeschlossen. Sieht so aus, als ob ich offene Türen einrenne. Dann fragt er mich, wer denn für die Markierungsbefugnis zuständig ist und ob ich nicht den PWV dafür fragen muss. Die Bezirksregierung ist ja „nur“ für die Budgets zuständig. Wie bitte? Ich kläre ihn auf und teile ihm mit, dass ich ja schon bei allen relevanten Stellen war. Er verspricht mir, dass er sich kümmert und das Vorhaben mit dem Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen abstimmt. Ach, da gibt es noch eine Organisation, die Interessen vertritt? Er meint dann noch, dass er ja auch versuchen kann, den entsprechenden Förderantrag für die für die Markierung notwendigen Budgets zu ergänzen. Ich teile ihm, dass wir das durchaus über die NST-Initiative abdecken können. Nun bittet er mich nur noch um eine eMail, damit das Ganze seinen schriftlichen Gang nehmen kann. Also schreibe ich eine ausführliche eMail mit meinem Anliegen. Jetzt habe ich mit Stefan, Gerhard und Anne ja auch schon drei Fürsprecher (oder zumindest nicht Ablehner). Knapp zwei weitere Wochen später (ich wollte schon fast nachhaken) bekomme ich eine eMail von Jannis mit der offiziellen Markierungsbefugnis der Oberen Naturschutzbehörde des Landes Rheinland-Pfalz für die beiden Premiumwege Pfälzer Weinsteig und Pfälzer Höhenweg. Krass, damit habe ich ehrlich gesagt gar nicht gerechnet.

Ideen zur Umsetzung

Über 250 weitere Kilometer sind jetzt freigegeben für die parallele Markierung des NST – ein wichtiger Schritt auch für die öffentliche Anerkennung des NST als längstem Weitwanderweg in Deutschland. Ich rufe Gerhard, den Hauptwegewart des PWV, an und teile ihm freudig mit, dass die Genehmigung vorliegt. Er ist überrascht, dass es so schnell ging. Gemeinsam besprechen wir, wie die Markierung am besten stattfinden kann. Idealerweise an den vorhandenen Pfosten, die wohl an allen wichtigen Kreuzungen stehen. Dann brauchen wir auch nicht Schilder auf Bäume nageln, sondern können einfach die Pfosten nutzen. Soulboy ist natürlich auch aus dem Häuschen und geht gleich in die Planung für den Druck von einigen Hundert Schildern. Mal sehen, wann wir in die Umsetzung gehen. Klar ist, dass das eine gemeinsame Aktion der NST-Initiative wird und dass dann auch vor Ort gefeiert wird. Und eine gemeinsame Marketingaktion mit dem PWV ist auch schon angedacht. Dann bekommen wir auch die Reichweite des PWV mit seinen über 25.000 Mitgliedern. Ich bin gespannt.

Neue Schilder für die Pfälzer Wege !
Spendenaufruf

Mit der offiziellen Erweiterung des Nord Süd Trails um mehr als 250 Streckenkilometer müssen wieder neue Schilder und Aufkleber produziert werden. Wie schon in den vergangenen Jahren arbeiten wir dabei mit der Firma Schildertechnik Paschold zusammen.

Wenn ihr den Ausbau des Trails unterstützen möchtet, könnt ihr euch gerne mit einer kleinen Spende an den Produktionskosten beteiligen. Dank eurer großartigen Unterstützung konnten wir bisher sämtliche Kosten über Crowdfunding finanzieren. Dafür möchten wir uns schon jetzt ganz herzlich bedanken.

Die Spenden erfolgen ausschließlich über GoodCrowd per PayPal. Jeder Beitrag, egal wie klein, hilft dabei, den Nord Süd Trail weiter wachsen zu lassen.

Vielen Dank für eure Unterstützung!

Unterstützer, Mitglied der Initiative Nord Süd Trail und Thru-Hiker des Jahrgangs 2025.

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